"Die  12  Cellisten  der  Berliner  Philharmoniker"  
     
 

Sie sind in der Tat einzigartig in der Welt. Immer wieder versetzen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker Publikum und Kritiker in Erstaunen, welche Klänge und Farben aus der balancierten Mischung von zwölf Violoncelli entstehen können. So schrieb die London Times nach einem Konzert in der Royal Albert Hall: „Wenn es ein Nirvana gibt, so kennen diese Musiker den Weg dorthin!“

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker sind heute eine Institution im internationalen Musikleben. Kein Geringerer als Herbert von Karajan, der damalige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, ist „mitverantwortlich“ für die Gründung der „12“ im Jahre 1972: Man hatte ihn gebeten, doch „seine“ Cellogruppe für eine Live-Rundfunkübertragung von Julius Klengels „Hymnus für 12 Violoncelli“ auszuleihen, einer Komposition, die bisher erst eine einzige Aufführung erlebt hatte: bei der Trauerfeier für ihren Widmungsträger, dem großen Dirigenten der Berliner Philharmoniker Arthur Nikisch. Das Unternehmen geriet zu solch einem überwältigenden Erfolg, dass die Cellisten spontan beschlossen, fortan weiter als Ensemble aufzutreten. 2002 feierte das fulminante Weltklasse-Ensemble sein 30-jähriges Bestehen mit einer ausgedehnten Japan-Tournee, einem Geburtstags-Konzert in der Berliner Philharmonie am 5. Oktober 2002 und mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums bei EMI Classics: „Round Midnight“, für das die Musiker mit dem berühmten deutschen Jazz-Trompeter Till Brönner und Sir Simon Rattle als „Guest Stars“ ins Studio gingen.

Insgesamt wurden bisher weit über 60 neue Werke für die 12 Cellisten geschrieben, darunter von Komponisten wie Boris Blacher, Jean Françaix, Yannis Xenakis, Wolfgang Rihm. Außerdem besteht ihr Repertoire inzwischen aus mehr als 80 Arrangements von Gabrieli und Bach bis Piazzolla und Ellington. Gleichzeitig waren die „12“ Vorreiter auf dem Gebiet des Crossover: Seit 15 Jahren bereits arrangieren sie Songs der Beatles sowie Gospels, Musicals und Jazzkompositionen für sich und schaffen so eine Programmvielfalt, die Publikum wie Kritiker stets von neuem begeistert. Als Daniel Barenboim José Carli einlud, für ein Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker im Juli 1997 verschiedene Tangos zu arrangieren, war auch das Konzept für das erste EMI Classics-Album des Ensembles „South American Getaway“ geboren, das im August 2000 erschien und sofort in die deutschen Klassikcharts aufstieg, außerdem mit einem „ECHO Klassik 2001“ in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ ausgezeichnet und für einen „Grammy 2001“ nominiert wurde.

 
Nach den beiden international erfolgreichen Einspielungen „South American Getaway“ und „Round Midnight“ nahmen die 12 Cellisten mit „As Time Goes By“ zum ersten Mal Filmmusik auf. Für die im August 2004 veröffentlichte CD ging das Ensemble mit so herausragenden Gastmusikern wie Till Brönner und Max Raabe ins Studio. Auch für diese Einspielung wurde die 12 Cellisten ausgezeichnet: mit einem „ECHO Klassik 2005“ als „Ensemble des Jahres“. Im Juli 2006 wurde das vierte Album des Ensembles  bei EMI Classics veröffentlicht. Hier spüren die Musiker mit Unterstützung hochkarätiger Gäste wie Markus Stockhausen und Jocelyn B. Smith dem Gesang und Tanz von Engeln nach: „Angel Dances“ vereint Kompositionen von Bach bis Piazolla.


Ausgedehnte Tourneen haben die Musiker seit ihrer Gründung u.a. durch Südamerika und Fernost geführt. Im Juli 2006 waren die 12 Cellisten mit dem Programm von „Angel Dances“ erneut auf Konzertreise in Südostasien unterwegs. Neben Konzertauftritten war das Ensemble stets auch musikalischer Botschafter Berlins: Es spielte für den amerikanischen Präsidenten Bill Clinton bei der KSZE-Konferenz in Budapest oder begleitete Richard von Weizsäcker bei dessen Staatsbesuch in Schweden. Fünfmal waren die Musiker inzwischen beim japanischen Kaiserpaar zu Gast, so 1998 anlässlich einer ausgedehnten Fernost-Tournee. Ihr Aufsehen erregendes Debüt bei den Londoner Proms 2000, bei dem sie viele Stücke ihres „South American Getaway“-Albums spielten, riss den britischen „Guardian“ zu Lobeshymnen hin: „Ein unvergleichlicher Triumph“.


Höhepunkte der zurückliegenden Spielzeiten waren ein Auftritte u.a.  in der Carnegie Hall New York, Konzerte in Japan, Korea und Taiwan sowie die Uraufführung eines neuen Konzertes für zwölf Cellisten und Orchester von Tan Dun, die mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle im Juni 2004 in der Berliner Philharmonie stattfand, darüber hinaus  Konzerte in München, Hamburg, beim Schleswig Holstein-Festival, Rheingau Musik Festival, den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern und dem MDR Musiksommer.


Große musikalische Kollektive bestehen aus einzigartigen Individuen. Wenige Ensembles aber werden sich solch unterschiedlicher Talente rühmen können wie die 12 Cellisten. Georg Faust praktiziert die Kunst des Feng Shui und lebt mit seiner Ehefrau (einer Richterin), zwei Kindern und den Haustieren vor den Toren Berlins im Grünen. Ludwig Quandt, ein engagierter Umweltschützer, ist Entomologe mit besonderem Interesse an Wasserjungfern. Dietmar Schwalke entwirft und baut Möbel, während Richard Duven sich leidenschaftlich für Kirchenarchitektur interessiert. Christoph Igelbrink wird von seinen Kollegen als Imitator von Dirigenten und Politikern geschätzt, ist aber auch ein begabter Pianist und Arrangeur wie sein Kollege David Riniker, der auch auf der Posaune Vorzügliches leistet. Mehrere Ensemble-Mitglieder sind begeisterte Sportler: Olaf Maninger spielt Golf, Knut Weber ist Snowboard-Lehrer, Nikolaus Römisch widmet sich dem Tauchen  und Martin Menking ist passionierter Windsurfer. Das dienstälteste Mitglied, Jan Diesselhorst, ist ein vorzüglicher Koch (und Philosoph), Martin Löhr ein ausgezeichneter Zauberer.

Juni 2010

http://www.die12cellisten.de/